Montag, 26. März 2012

Junge, komm bald wieder!


   
 Diese Drei kamen gerade aus Amsterdam


Die Walz
 „Walz“ (Wanderjahre) bezieht sich auf die Wanderschaft zünftiger Gesellen. Sie umfassen die Zeit des Wanderns der zumeist jüngeren Männer nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit. Die Wanderschaft war seit dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung eine der Voraussetzungen für den Gesellen, die Prüfung zum Meister machen zu können. Die jungen Burschen sollten durch die Wanderschaft neue Arbeitspraktiken, Lebenserfahrung und fremde Orte, Menschen, Regionen und Länder kennenlernen.
Auch heute noch wandern junge Männer durchs Land. Wie die drei oben auf dem Bild. Sie kamen gerade aus Amsterdam und machen Zwischenstation in Münster auf dem Weg nach Lindau am Bodensee. Insgesamt drei Jahre und ein Tag dauert ihre selbstgewählte Wanderschaft. Ein Tag als Symbol, weil niemand weiß, ob er nicht noch Zeit hinten dran hängt. Die ersten drei Monate während des Lebens auf der Straße gelten als Probezeit. In dieser Zeit kann jeder, der sich für diesen Weg entschieden hat, prüfen, ob es wirklich etwas für ihn ist. Wenn nicht, kann er einfach wieder aussteigen. Wenn er sich entscheidet mitzugehen muss er die drei Jahre durchhalten. In früheren Zeiten wurden den Abbrechern der Wanderschaft ein Ohrring aus dem Ohrloch gerissen, als Zeichen, dass er der Zunft keine Ehre machte. Daher stammt übrigens der Begriff "Schlitzohr". Leicht sind nämlich die Jahre auf der Straße nicht. Die Gesellen wissen morgens nie, wo sie abends einen Schlafplatz finden. Und um ein bisschen Geld zu verdienen, bieten sie ihre Arbeit den ortsansässigen Betrieben an, in der Hoffnung für ein paar Tage mitarbeiten zu können. Gebettelt wird nicht, aber man spricht schon Mal den einen oder anderen Bürger mit einem Augenzwinkern an, wenn der Hunger sehr drückt.
Auf die Frage, was die Wanderjahre so attraktiv mache, antworteten die Gesellen auf der Durchreise, das Leben während der Wanderschaft sei hart aber enorm abwechslungsreich. Sie lernten immer neue Menschen und Orte kennen und die Freiheit, die sie erfahren, sei mit nichts zu vergleichen. Übrigens war der junge Mann in der Mitte gerade Mal neun Tage auf der Walz.

Gute Reise!