Montag, 22. Februar 2016

Fastenzeit


13. Tag

Hallo weise Frau in mir,

4 Zigaretten und keine SMS und eine Mail später ...

ist das Göttliche in mir? Darf ich Dich "weise alte Frau in mir" nennen? Was ist denn das Göttliche in mir? Ist das ein tiefes Wissen, dass ich ein liebenswertes Wesen bin, das gerne liebt und das es wert ist, geliebt zu werden? Ist es das tiefe Wissen, dass ich ein spirituelles Wesen bin, das auf die Erde gekommen ist, um menschliche Erfahrungen zu machen? Wozu aber sollte ich als spirituelles Wesen auf die Erde kommen, um diese erbärmlichen Erfahrungen zu machen. Hat es was mit Ying und Yang zu tun? Ein spirituelles Wesen braucht die andere, fehlerhafte, menschliche Seite? Und der Mensch braucht die reine, göttliche, liebende Seite? Um ein Ganzes zu werden? Kann ich bei einem Aufenthalt hier auf der Erde schon ein Ganzes werden oder muss ich öfter wiederkommen?

Wozu ist das alles gut? Gibt es auf diese Fragen überhaupt eine Antwort? Oder ist da ein "kosmisches Ding" am Werk, das keiner von uns Menschen je verstehen wird? Bilden wir uns das alles nur ein und glauben auf "Deubel komm 'raus" dran? Aus Angst, am Ende doch nur Wurmfraß zu sein? Punkt. Aus. Ende.

Wenn ich ein Göttliches Wesen bin, meine eigene weise alte Frau in mir, die alles weiß über Liebe und Schmerz. Und wenn dieses tiefe Wissen so tief in mir verborgen ist. Dann kann ich es mit einfachen Mantras nicht aus dem Unterbewusstsein hochholen. Das wäre ja, wie mal  eben mit dem Fahrstuhl in den Keller gefahren, rausgehopst, schnell ein Kistchen Wissen aus dem Kellerregal genommen und wieder in den Fahrstuhl. Ding ... 2. Stock bitte! Nee, so einfach ist das nicht.

Ich stümpere hier herum und schäme mich sehr, dass ich schon wieder eine Mail geschrieben habe. Aber wenn Fasten mich demütigt, dann muss ich darüber nachdenken, damit aufzuhören. 

Also nochmal die Frage. Wovon faste ich hier eigentlich? Von einem Menschen, von der Liebe, von selbstverletzendem Verhalten? Ich weiß es nicht mehr. Es ist mir fast auch egal. Ich bemühe mich, mein selbstschädigendes Verhalten einzudämmen. Tag für Tag. Das ist genug Fasten.


"Schokolade bricht das Fasten nicht"

(Honoré de Balzac, franz. Schriftsteller, 1799 - 1850)