Sonntag, 14. Februar 2016

Fastenzeit


5. Tag

Hallo Gott,

als erstes das Zigarettengedöns. Gestern 3 Zigaretten. Scheint mir nicht SO schlecht zu gehen.

Jetzt an's Eingemachte. Ich bin mir nicht sicher, wovon ich faste. Faste ich von einem Menschen? Faste ich von einem alten Muster? Oder von der Liebe? Ich weiß doch gar nicht, was Liebe ist. Die "Liebe" meiner Kindertage? Das war ein Versorgen. Die Liebe zu meinem Kind, das ist Liebe. Die kann ich dir nicht erklären. Die fühle ich. Liebe zu einem Mann? Kenne ich nicht. Ich habe - wie fast alle Frauen in meiner Familie - viel ausgehalten. Die meisten mussten enthaltsam leben. Das Schicksal zwang sie zu einem lieblosen Leben. Vater, Ehemann, viele kannten die Liebe nicht, waren Kriegsgestörte. Aber die Frauen blieben. Liebten sie ihre Väter, ihre Männer?

Heute ist Valentinstag. Ich habe kein Zeichen erhalten. Ich weine, wenn ich an sein Lachen denke. Dieses Glucksen, das immer hochkam, wenn er Spass hatte. Ich weine, wenn ich an die vertrauten Lachfältchen um seine Augen denke. Ich weine, wenn ich an seine Arme denke. 

Aber ich faste. Von einem alten Muster. "Ich liebe dich und laufe dir hinterher" heißt es. Es ist mir sehr vertraut. Jemand verspricht mir Liebe, ich glaube das, bin vertrauensselig. Wenn ich dann enttäuscht werde, verletzt, gedemütig, erniedrigt, bleibe ich trotzdem. Immer treu. Ich kriege nicht mit, ab wann ich mich selber aufgebe, um ein bisschen Liebe zu erhaschen. Es reicht ein Brotkrumen aus, um mich satt zu machen. Ich bin die Tochter der ungeliebten Frauen in meiner Familie. 

Jetzt zwingst du mich in die Knie. Du kosmisches Etwas, von dem ich immer noch nicht weiß, ob ich dir vertrauen kann. "Versuch es mit Fasten", hast du mir zugeflüstert. "Lass das dich-selbst-Verletzende los. An Brotkrumen wirst du verhungern". Du willst mir beibringen, dass Liebe kein Tauschgeschäft ist? Das alte Muster: Ich gebe dir alles, damit du mir ein bisschen die alte Wunde zuklebst. Das stimmt nicht mehr?

Das ist ein Abenteuer ohne Gewissheit auf den Ausgang. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich dir vertraue. Ich bin WÜTEND auf dich. Weil du mich so hin- und herwirfst. Weil du mir immer nur einen leisen Hauch eines neues Gefühles, einen leisen Hauch Hoffnung, Zukunft, Freude auf etwas Neues gibst. Mehr nicht.

Wie schaffst du mir Gewissheit ohne Beweise?