4. Tag
Guten Morgen lieber Gott,
gestern 5 Zigaretten. Sorry, aber ich dachte ja, wenn man Kontakt zu dir hat, geht's einem gut. Irgendwie ist unser Kontakt so 'ne einseitige Kiste. Ich zermarter mir das Hirn, wie ich entspannter durch mein Leben gehen kann und dann so was.
MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST! MIST!
Warum machst du es mir so schwer? Warum muss ich so stolpern? Ein Alkoholiker darf auch nicht einfach wieder einen Schluck trinken. Ich habe aber gesten Nacht einen Schluck aus meiner Pulle genommen. SMS um 00:17. Bäm!
Ich will ein Zeichen von ihm. Ich BRAUCHE ein Zeichen. Ob ich wegen einer Auszeit faste oder wegen eines Abschieds. Diese Frage quälte mich die halbe Nacht. Bis ich drauf gekommen bin. Es geht nicht darum, ob ER ein Zeichen setzt, ob es eine Auszeit ist oder ein Abschied. Es geht um mich. Ich wollte fasten und mich auf alles einlassen, was da auf mich zurollt.
Okay Gott.
Was heißt eigentlich Gott? Einbahnstraße? Großer angeblich Gütiger, der nie antwortet? Großer geheimnisvoller Gütiger, der immer antwortet, aber dessen Sprache ich nicht spreche? Großes kosmisches Ding, auf das du dich einlässt und nie weißt, was du rausbekommst? Größter Fake in der Geschichte der Menschheit? Großer Gütiger, zu dem ich spreche, auch wenn ich zweifle? Man, ich weiß es doch auch nicht!
Also, ich habe mir ein paar Regeln überlegt, damit ich die Fastenzeit besser überstehe:
1. Ich bin Fastenneuling und darf Fehler machen. Schließlich faste ich hier nicht von Fleisch oder Süßigkeiten sondern von einem Menschen
2. Keine SMS, keine Mail, kein Brief mehr, EGAL wie es mir geht (also weitermachen)
3. Kommt kein Zeichen von ihm kaufe ich eine Mega-XXL-Packung Kleenex und faste weiter
4. sehr privat
5. sehr privat
6. Ende der Fastenzeit ist Ende
Johann Wolfang von Goethe: "Freudvoll. Und leidvoll. Gedankenvoll sein. Langen. Und bangen. In schwebender Pein. Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt. Glücklich allein ist die Seele, die liebt."