17. Tag
0 Zigaretten aber eine Mail und null Simsen plus null Anrufe oder Besuche später
Liebe Göttin,
mir geht es gut. Heute faste ich deshalb von der Zurschaustellung meines Fastenbrechens und stelle statt dessen hier mein gesammeltes Wissen zur Verfügung. Was ich da zusammengetragen habe weißt du ja eh' alles schon. Aber der eine oder andere geneigte Leser hat vielleicht Lust, sich ein bisschen vertrauter zu machen, mit dem, worüber ich hier tagtäglich schreibe. Es gibt eine Kurzversion für alle, die Instant-Learning bevorzugen. Und es gibt eine Langfassung für wirklich Wissenhungrige:
Kurzversion:
Buddhisten fasten nicht. Buddha hielt Fasten zur spirituellen Erkenntnisgewinnung für Nonsens. Moslems essen und trinken einmal im Jahr einen Monat lang tagsüber gar nichts, um sich nach Einbruch der Dunkelheit die Bäuche vollzuschlagen. Hindus fasten nahezu immer vor allmöglichen Ritualen und Feiern. Und das wahrscheinlich auch noch fast nackt und unglaublich abgemagert. UND im Schneidersitz. Juden wissen vor lauter Fastentagen im Jahr schon gar nicht mehr, wohin mit ihrer Läuterung. Und Christen hoffen auf Besinnung und Buße lähmende 40 Tage lang vor Ostern.
Langfassung:
Religiös motiviertes Fasten ist in vielen Religionen bekannt. Im alten Ägypten (4500 v. Chr. bis zum Beginn des Mittelalters, 600 n. Chr.) verzichteten die Kopten (eine ethnisch-religiöse Gruppe, ursprünglich Einwohner Alexandriens und Ägyptens, deren Eigenart die Anwendung der ägyptische Sprache war) 40 Tage lang auf Fisch während der Laichzeit.
Im Judentum gibt es mehrere Fastentage während eines Jahres. Am 10. des Monats September oder Oktober wird der höchste Fastentag begangen, den auch weniger Gläubige begehen, der "Jom Kippur". Erwachsene, Mädchen ab 12 und Jungen ab 13 Jahren nehmen 25 Stunden lang weder flüssige noch feste Nahrung zu sich. Zitat aus dem 3. Buch Mose: „Am zehnten Tage des siebenten Monats sollt ihr fasten und keine Arbeit
tun, weder ein Einheimischer noch ein Fremdling unter euch. Denn an
diesem Tage geschieht eure Entsühnung, dass ihr gereinigt werdet; von
allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem Herrn.“ Strenggläubige Juden verzichten am Fastentag auf Sex und auf Waschen aus Vergnügen.
Im Christentum wird 40 Tage vor Ostern gefastet. Jesus verbrachte diese Zeit fastend und betend in der Wüste. Christen erinnern sich somit an den Leidensweg
Christi. In den Fastenwochen stimmen
sich die Gläubigen auf das Osterfest und die Zeit der Erneuerung ein. Am Ende des Leidensweges, nach einer Zeit der Dunkelheit in den Herzen der Menschen, gibt es Hoffnung durch Auferstehung. Es wird wieder Licht. Früher fasteten Christen vor allem
durch den Verzicht auf Fleisch, Eierspeisen und Alkohol. Gläubige
verzichten nicht völlig auf feste Nahrung. Die Fastenzeit soll einladen zur Buße und Besinnung.
Im Islam wird jedes Jahr einen ganzen Monat lang gefastet, im Ramadan. Nach Auffassung der Moslems ist in diesem Monat der Koran herabgesandt worden. Frauen (nicht während der Menstruation oder nach einer Geburt) und Männer (müssen geistig und körperlich gesund sein und dürfen sich nicht auf Reisen befinden) fasten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang von Essen, Trinken und Rauchen. In einigen islamischen Staaten, wie z. B. Marokko ist das Nichteinhalten des Fastens verboten und wird mit Verhaftung geahndet. Da das islamische Jahr ein Mondjahr ist, ist es um 11 Tage kürzer als ein Sonnenjahr. Der Ramadan verschiebt also jedes Jahr um 11 Tage nach hinten und kann somit in jeder Jahreszeit liegen. Beginn und Ende orientieren sich an der Sichtung der schmalen Mondsichel am Himmel.
Gibt es Fasten im Buddhismus? Nein, zumindest nicht in dem Sinn, wie es Christen, Juden oder Muslime verstehen. Buddha hielt eine Mäßigung der Nahrungsaufnahme generell für sinnvoll. Er hielt das Fasten als Askese für die sprirituelle Praxis für untauglich.
Hindus fasten übrigens auch. Sie leiten Rituale und Feste oft mit dem Verzicht auf Nahrung ein. Außerdem fasten viele Hinduisten an Vollmond oder Neumondtagen.
Vorbei ist das Fasten
Kameraden, vorbei ist das Fasten,
Ich sehe den Leuchtturm durchs Glas.
Schon flattern um unsere Masten
Die Möwen. Im Wasser schwimmt Gras.
Schon steigen die Türme vom Hafen
Wie Kräuterkäse grün aus dem Grau.
Old sailorboys, heute nacht schlafen
Wir alle an Land bei der Frau.
Vielleicht tanzen wir heute
Und saufen soviel uns behagt.
Wir haben als Fahrensleute
So lang dem Vergnügen entsagt.
(Joachim Ringelnatz)