16. Tag
4 Zigaretten und 0 SMS, 0 Mails, 0 Anrufe und 0 Besuche
Hallo weise Frau in mir,
null SMS, null Mails, null Anrufe und null Besuche. Klingt, als wäre ich eine Stalkerin. Bin ich nicht. Ich hatte einfach einen Kerl, der sich zurückgezogen hat. Ich konnte und wollte das nicht glauben. Ich konnte das nicht aushalten. Wenn ich ehrlich bin glaube ich es immer noch nicht. Aber es wird jeden Tag von seiner Seite aus bewiesen. Kein Anruf, kein Besuch, kein Brief im Briefkasten, nicht mal eine kleine Simse. So viel bin ich dem Mann wert, der einst sagte, er liebt mich. Komisch, dass ich da immer so einen beruhigenden, fast belullenden Unterton herausgehört habe. Ja, ja, tätschel, tätschel, ist ja schon gut. Ach, ich sag' ihr einfach, was Frauen so hören wollen, dann ist sie beruhigt.
Nach meinem letzten Post hatte ich ein ziemlich schlechtes Gewissen. Plötzlich stand da eine Frage im Raum: "Tach, ich bin hier der knallharte Nachfrager. Sach' ma', was war das denn gerade? Bist du irre? Bist du dir sicher, dass du so etwas auf einem öffentlichen Blog schreiben willst? ER HAT DIR LEID GETAN? Ja, jetzt sieh' mal zu, wie du das wieder hinbiegst, also ... wirklich!" Was soll ich sagen? Steht da schon mal so eine penetrante Frage im Raum, will sie auch beachtet UND beantwortet werden.
Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht. Vielmehr habe ich darüber nachgedacht, ob ich ihn geliebt habe und ob man nicht immer aus ganz eigennützigen Gründen zusammenkommt. Diese Gründe sind oft so unterbewusst, dass die meisten von uns sie nicht einmal hochholen und benennen könnten. Ist er nicht auch mit mir zusammengekommen, weil er einen Schub gespürt hat? Ein Gefühl, das sich meldet, obwohl es so lange still war? Ist es nicht immer eine take-take und im besten Fall dann auch win-win Situation? Du gibst mir Etwas, ich gebe dir Etwas. Ah ... ich höre schon die Psychologen maulen. Wir sollen nicht nehmen, sondern geben. Liebe geben, frei und absolut bedingungslos. Denn nur wer gibt ist frei und bekommt auch Etwas zurück. Au to ma tisch! Ha ha, nur dass das im normalen Menschenleben nicht funktioniert. Zumindest bei den meisten nicht. Es ist immer ein Handel. Ohne böse Absicht, aber immer ein Deal. Ich fühle mich durch dich besser und du dich durch mich. Bumms. Aus. Ende.
Ja, und geliebt habe ich ihn. Ziemlich schnell sogar. Er tat mir gut. Es gab so viele, nette kleine Eigenarten, an denen ich meine Freude hatte. Seine Art, sein Leben, seine Ansichten. Darin war Vieles, was ich gut gebrauchen konnte, um glücklich zu sein, um mich zu entspannen. Ich war stolz auf uns, stolz auf ihn, stolz auf mich. Wie oft schaute ich ihn an und war gerührt darüber, dass ich ihn liebte. Es gab Momente, in denen er mir sagte: "Ich liebe dich", und es ging durch meinen ganzen Körper. Eine Woge der Freude, des Beschenktseins, des Aufgehobenseins, des Glücks.
Ist die Hinwendung zur Liebe und der Genuss derselbigen Stalken? Ist das Auskosten, das Sicheinlassen Bedrohung? Mit allen möglichen Begründungen, warum ich mit immer mehr Ablehnung konfrontiert wurde, bleibe ich alleine zurück. Und alleine eine Beziehung führen, das ist wie sich alleine streicheln. Klappt auch nicht, macht nicht glücklich. Es gibt so viele Ratgeber für Frauen, in denen wir lernen können, mit Männern umzugehen. Da muss mal ein Ratgeber für die männliche Spezies her. Die haben es viel nötiger als wir. Die können gar keine wirklichen Beziehungen eingehen, außer zu ihrem Job, ihrem Hobby und ihrem Auto. Alles Schisser vor Nähe, Liebe, Verbindlichkeit, Austausch, Authentisch-Sein, Fühlen, Reden ... What?? Bloß weg hier, denkt da der "moderne" Mann. Zurück bleibt eine Frau wie ich. Geschockt, traurig ... entsetzt darüber, was für ein erbärmlicher Rest einer Liebe übrig bleibt.
Ich gewinne gerade Abstand. Ist das gut? Ist das schlecht? Sind das die ersten Früchte des Fastens? Ich weiß es nicht. Ich weine weniger. Das zählt.
"Ich habe gerade ein 7-Tage-Fastenprogramm beendet." "Machst du das nicht erst seit gestern?" "Ich hab's schneller durchgezogen."
(gefunden im Internet)
(gefunden im Internet)