32. Tag
Keine persönlichen Angaben mehr über Zigaretten und Kontaktversuche
Liebe Trauergemeinde,
wir haben uns heute hier versammelt, um die Hoffnung zu verabschieden. Die Hoffnung zweier Menschen, im Guten wie im Schlechten beieinander zu stehen, füreinander da zu sein. Als die Hoffnung noch ganz klein war, hat sie mir einmal gesagt, dass sie sich so unglaublich freue, dass sie nicht gebraucht wird. Sie könne spielen gehen, die Welt erkunden, weg bleiben, woanders helfen. Da sie hier, bei diesem Paar nicht gebraucht würde. Dort würden Freude und Glück im Hintergrund wirken. Fröhlich hüpfte sie davon, ich erinnere mich genau. Das Paar hielt Händchen, schaute sich verliebt und voller Freude immer und immer wieder an. Sie blickte stolz auf ihn, und er hielt sie stolz in seinen Armen.
Nun beerdigen wir eine geliebte Freundin, die leider viel zu schnell zurückkommen musste. Sie hatte viele Aufgaben, so viel lief schief. Immer und immer wieder ging sie mit ganzer Kraft in die Krisen hinein und half, wo sie nur konnte. Sie schien Bärenkräfte und einen schier unerschütterlichen Glauben an ein Gelingen zu haben. Doch leider musste sie mit ansehen, dass auch ihre Freunde - einer nach dem anderen - vor ihr gingen. Vertrauen war der erste, der gehen musste. Ihm folgten Freude, Glück, Achtung, Mut. Am Ende ging sogar die Liebe. Hoffnung blieb allein zurück. Sie blieb und kämpfte, wie es ihrer Natur entspricht. Aber wenn der Weg zu steinig ist, und selbst ihre Kraft dafür nicht mehr reicht, holt Gott die zu sich, die am Ende sind. So hat er heute Hoffnung zu sich genommen. Wir bleiben zurück. Klein, ohnmächtig, hilflos und wütend in unseren menschlichen Herzen. Die Hoffnung starb zuletzt. Mit ihr verlieren wir eine Gefährtin, von der wir dachten, sie stünde uns immer zur Seite. Es tut sehr weh, sie gehen zu lassen. Es ist gut zu wissen, dass es sie gab. Danke, Hoffnung. Ohne dich würden wir niemals lieben können. Wir werden dich so schmerzlich vermissen und uns immer und immer wieder an dich erinnern.
Stufen
Nun beerdigen wir eine geliebte Freundin, die leider viel zu schnell zurückkommen musste. Sie hatte viele Aufgaben, so viel lief schief. Immer und immer wieder ging sie mit ganzer Kraft in die Krisen hinein und half, wo sie nur konnte. Sie schien Bärenkräfte und einen schier unerschütterlichen Glauben an ein Gelingen zu haben. Doch leider musste sie mit ansehen, dass auch ihre Freunde - einer nach dem anderen - vor ihr gingen. Vertrauen war der erste, der gehen musste. Ihm folgten Freude, Glück, Achtung, Mut. Am Ende ging sogar die Liebe. Hoffnung blieb allein zurück. Sie blieb und kämpfte, wie es ihrer Natur entspricht. Aber wenn der Weg zu steinig ist, und selbst ihre Kraft dafür nicht mehr reicht, holt Gott die zu sich, die am Ende sind. So hat er heute Hoffnung zu sich genommen. Wir bleiben zurück. Klein, ohnmächtig, hilflos und wütend in unseren menschlichen Herzen. Die Hoffnung starb zuletzt. Mit ihr verlieren wir eine Gefährtin, von der wir dachten, sie stünde uns immer zur Seite. Es tut sehr weh, sie gehen zu lassen. Es ist gut zu wissen, dass es sie gab. Danke, Hoffnung. Ohne dich würden wir niemals lieben können. Wir werden dich so schmerzlich vermissen und uns immer und immer wieder an dich erinnern.
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
(Hermann Karl Hesse, 1877 - 1962, deutscher Schriftsteller, Dichter und Maler)
P. S.: Ich persönlich vermute ja, dass Hoffnung die Kraft in uns ist, die unfassbar viele Schwestern hat. Hunderttausendmilliarden, ruft sie gerade und hüpft vergnügt vor mir auf uns ab.