Dienstag, 15. März 2016

Fastenzeit


33. Tag Schnapszahl


Liebe Göttin,

ich habe Liebeskummer. Wenn du noch mehr über Deine Ebenbilder erfahren möchtest, hier:


Nichts ist schlimmer als Liebeskummer. Fast nichts. Tagelang im Bett liegen, wochenlang, heulen, alte Fotos anschauen, Sachen vom Ex zerschnippeln und verbrennen. Freunden die Ohren vollheulen und sich einmal im Leben richtig, aber so richtig als Betrogene zu fühlen. Musik hören und in Tränen ausbrechen, weil das "unser Lied" war. Vor Wut rumschreien, um direkt im Anschluss vor Sehnsucht fast zu zerfallen. Sich betrinken und Dinge betrunken tun. Mit Rotwein. Ihn dann betrunken anrufen und den AB vollheulen, ihn anflehen, er soll zurückkommen. Danach den Anruf bereuen. Wer keinen Rotwein mag: Eis, Süßes, ungesundes Zeug bis zum Abwinken. Joints rauchen bis die Lunge knarzt. Zwischen den Weinattacken Löcher in die Luft starren und draußen mit verlaufener Schminke herumlaufen. Weniger duschen, weniger essen, mehr rauchen. Nichts mehr denken, nur noch im Keller der Gefühle hausen.

So gibt es uns auch. Klein, stümperhaft, erbärmlich, hoffnungslos, dumm und egoistisch, traurig und kämpferisch zugleich. Irgendwie zutiefst menschlich. "Halt die Ohren steif. Du packst das, lass dich nicht unterkriegen". Und was, wenn doch? Was, wenn ich den Kopf gar nicht oben behalten will und mir die Durchhalteparolen auf die Nerven gehen. Ich will da mal runter, ich will mich hängenlassen, den Kopf senken, am Ende sein. Mein Leid ist mir wichtig. Ich muss diesen Teil mit mir nehmen, ausleben, da sein lassen. Also ab in die Suhle. Aber richtig. Mit allem Zipp und Zapp. Das volle Programm. Wieder rauskrabbeln und duschen kann ich später. 


"Liquidum non frangit ieiunium" 

(aus dem Mittelalter "Flüssiges bricht das Fasten nicht", hierbei ging es um Starkbier)