Donnerstag, 10. November 2016

Läuft ...

sagt das Sabine. Im Radio.

Und ich denke: "Ja klar, bei dir vielleicht. Im warmen Studio". Obwohl, die Heinrich ist eine coole Socke. Gar nicht doof. Aber mir ist gerade kalt. Nichts läuft. Es ist dunkel, es regnet. Es ist saukalt draußen. Ich stehe im Stau. Um 10 vor Sieben! Was wollen die alle hier? Pro Person ein Auto. Das ist Wahnsinn. Diese Karren haben Minimum zwei, Maximum 9 Sitze! Mann, können die keine Fahrgemeinschaften bilden, Zug fahren, Rad fahren? Oder einfach noch mit dem Hintern im Bett bleiben. Bis DIE durch die Stadt sind, die den Platz um diese Uhrzeit wirklich brauchen. Krankenwagen, Behindertenfahrdienste, Schüler, Busfahrer, Taxen, Müllfahrzeuge, Sperrmüllwagen, Rentner.


Läuft. Nee, fährt. Alles fährt. Sind ja auch alle so an Klimaschutz interessiert. Da kann ich mich prima über große Länder aufregen, die Klimaschutzabkommen nicht einhalten. In meinem warmen SUV mit Popoheizung. Die da oben! Ich hier unten? Ähäm, hüstel hüstel. Ach egal. Hauptsache schick, schnell und luxuriös zur Arbeit.

Damals, als ich noch jung war ... Ich wollte so einen Satz nie sagen. Aber wenn's doch stimmt. Als ich noch jung war, das ist 28 Jahre her (oh scheiße!), musste ich bei den Stadtwerken um sieben Uhr anfangen zu arbeiten. Da war die Stadt tot, leer, menschenleer, Auto-leer. Da war NIEMAND unterwegs, außer wir zwei, drei People von den Stadtwerken. Heute sitzen die alle schon in den Bürotürmen, wenn ich noch durch die Nacht fahre.

Läuft. Läuft nicht. Ich bin genervt. Dann treffe ich Bernhard (Name mal wieder geändert). Er hat die Krankheit, die ich zurzeit gefühlt immer fahre. Er nennt sie eine wilde Sau. Weil sie tausend Verläufe annehmen kann. Vom Arzt hole ich ihn ab. Er ist der einzig lebende unter den Toten dort. Hat gute Laune, Witz, Charme und Humor. Wird aber nicht beachtet. Er braucht nur eine Spritze und muss elendig lange warten. "Weil ich so weit unten sitze", sagt er. Auf dem Weg nach Hause schläft er ein. Müde und erschöpft. Unten sitzen und immer Köpfchen oben halten kostet enorm Kraft.