Ich weiß noch nicht, wofür oder wogegen ich schreibe. Schreiben ist das Einzige, das ich richtig gut kann. Im Moment fühlt es sich an, als könnte ich nichts mehr. Alles aus meinem alten Leben ist weg. Mein Freund, mein Job, meine Familie, meine Freunde. Jeden Morgen, kurz vor dem Aufwachen denke ich, dass ich wohlmöglich gar nicht weiterleben möchte. Das macht mir Angst. Deshalb schreibe ich. Es muss aus mir raus, sonst gehe ich daran kaputt. Ich habe keine Ahnung, wer das liest und ob es überhaupt von irgendjemandem gelesen wird. Ich weiß auch nicht, ob es gut geschrieben ist. Es geht nicht um den Pulitzerpreis. Es geht einfach nur um meine fucking Depression oder mein verschissenes Trauma oder meine ganzen Störungen oder wie immer ich diesen ganzen Mist nennen soll.
Um 9 Uhr aufstehen ist nichts für mich. Am liebsten würde ich bis 12 Uhr und noch länger liegenbleiben. Am besten, bis der Tag vorbei ist. Decke über den Kopf ziehen und einfach gar nicht mehr aufstehen. Kurz vor dem Wachwerden gehen mir immer die schlimmsten Gedanken durch den Kopf. Sowas wie "Ich will gar nicht mehr aufstehen. Jetzt ist keiner mehr da. Das wird nie wieder gut werden". Jetzt sitze ich hier in der Küche, schreibe und fühle mich ganz komisch. Keine Ahnung, ob ich jetzt etwas Konkretes tue gegen meine inneren Dämonen. Aber es fühlt sich besser an, als im Bett zu bleiben. Außerdem muss Gandhi raus, ich muss heute das Treppenhaus putzen, ich wollte zum
Friseur, weil ich morgen ein Vorstellungsgespräch habe, und ich muss zur
Krankenkasse.
Alles Termine, die mich aus dem Bett treiben. Einerseits ganz gut, andererseits heule ich immer noch jeden Morgen beim Austehen. Es fühlt sich dann immer so an, als wollte ich gar nicht aufstehen. Ich habe keine Ziele, nichts zu tun, kaum Menschen um mich herum, zurzeit gefühlt sogar gar nicht, bis auf ein paar Hundemenschen im Park. Ich kann mit mir selber nichts anfangen. Ich weiß gar nicht, wie das geht. Wenn ich Termine habe, ziehen sie mich durch den Tag. Aber irgendwann möchte ich einmal mehr als nur durch den Tag gezogen werden. Ich habe früher immer gesagt, ich möchte mit 99 erfüllt sterben. Davon bin ich Meilen entfernt. Wenn ich so weitermache, bin ich in kurzer Zeit kaputt. Entweder an den Depressionen eingegangen oder an Lungenkrebs durch zu viele Fluppen.
Ich habe Angst. Ich bin alleine, und ich habe Angst vor meinem Leben. Und ich habe Angst vor Menschen. Ich habe so viele Ängste in mir, das ist unfassbar. In meiner Therapiegruppe haben wir über Masken gesprochen. Jetzt lasse ich sie fallen. Ich lasse sie alle fallen. Bis ICH am Ende übrigbleibe. Oder daran kaputtgehe, weil ich mich zu sehr geoutet habe.Hopp oder Topp.