Mittwoch, 17. April 2019
Ich!bin!müde!
Warum bin ich immer so müde? Sind das die Wechseljahre, Frühjahrsmüdigkeit, zu viel frische Luft, zu viel oder zu wenig Schlaf? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich mich wie mit Blei gefüllt fühle. Vermutlich liegt es ganz stark daran, dass die Gedanken, die sich durch meinen Kopf quälen meinem Körper eine gehörige Menge Energie abziehen. Und es hört nicht auf. Dieser Schädel, von dem ich mittlerweile glaube, dass er ein Eigenleben hat, hört nicht auf zu denken. Immerzu und über alles wird nachgedacht, dann wird es gewendet und von der anderen Seite nochmal kräftig durchgedacht. Ich möchte mal eine Woche nicht denken, schlafen oder doof sein. Eine Woche doof sein, phlegmatisch, naiv oder was weiß ich. Aber nicht alle Probleme der Welt und die aller Menschen in meiner nächsten Nähe und auch noch meine lösen müssen. Fuck ey, wieso kann ich die Dinge nicht einfach sehen, wie sie sind: Dort auf dem Tisch stehen schöne Blümchen, eine Tasse mit Blumendekor steht davor, meine Füße liegen auf dem Tisch, ich blogge, links auf der Theke steht eine riesen Etagere mit Obst und Gemüse, mein Zitronenwasser ist fertig, der Blumentopf mit dem alten Gestrüpp neben dem Glas von Moni, das ich immer mit Zettelchen fülle, wenn sich etwas Schönes ereignet. Die Sonne scheint auf den Tisch, an der Heizung spiegeln sich bunte Lichter vom Glasstein, der im Fenster liegt. Ich höre Vögel zwitschern, es ist 10 Uhr. Alles doch ganz normal, ODER????
Leben im Hier und Jetzt. Wie mache ich das? Muss ich, um das zu lernen, erst zu irgendeinem weisen Lama nach Tibet reisen oder kann ich hier und jetzt damit anfangen? Es denkt. Es denkt die ganze Zeit. Dieses Es, dieser Speicher, dieses Irgendwas, das alles speichert, bedenkt, hinterfragt, nachfragt, vorfragt. Bloß wozu? Um mich zu beschützen? Aber wovor? Ich bin nicht mehr klein, ich kann für mich selber sorgen, und trotzdem kommt es mir vor, wie ein Überbleibsel aus der Vergangenheit, das mich einst vor dem unbedachten Tun beschützt hat. Kling eloquent. Hm ... ich versuch's mal anders. Als Kind hatte ich Angst, geschlagen zu werden. Ich wurde geschlagen, für alles und nichts. Später werden die Eltern sagen, es war ein probates Erziehungsmittel. Nur komisch, dass die Stolzes von gegenüber und die Dahlmanns von rechts und die Schwarzers am Ende der Straße ihre Kinder nicht mit "probaten Erziehungsmethoden" malträtiert haben. Ich habe als kleines Mädchen gelernt, den Mund zu halten, mich still zu verhalten, nicht zu lebendig zu sein, nicht zu laut zu lachen, nicht zu sagen, was ich denke, nicht zu sagen, was ich fühle. Ich habe alles für mich behalten. Immer in Angst, ich könnte dafür ausgeschimpft oder geschlagen werden. Na super, und dann wundere ich mich, dass mein Kopf so ein brillanter Geist ist. Das Problem ist nur, dass ich ihm mal sagen muss, dass wir nicht mehr "früher" haben, sondern Heute. 45 Jahre später. Jetzt fange ich auch noch an zu weinen. Das klappt ja super mit dem "im-Hier-und Jetzt-Bleiben".Scheiße. Scheiße einfach, wenn man so viel Angst vor so vielen Situationen und Menschen hat.
Ich fange bald eine neue Arbeit an, und ich hoffe, dass ich vorher nicht durchdrehe und meine Ängste sich ins Unermessliche schrauben, nur weil der "alte Geist" meint, er müsse mich beschützen. Ich muss dringend mit ihm reden. Er braucht eine neue Beschäftigung. Genau wie ich ;-)
Break und Nachsatz zu gesten: Beim Spaziergang mit Gandhi durch den Wald habe ich eine Gruppe Rehe gesehen. Echte Rehe! Ich habe noch nie echte Rehe gesehen. Okay, die hinter'm Restaurant "Zum goldenen Hirsch" auf der eingezäunten Wiese grasen, die kenne ich auch. Aber freilebende Tiere im Wald, in 20 Meter Entfernung, nebendran im Dickicht? Die habe ich noch nie gesehen. Das war ein heiliger Moment. Diese sensitiven Tiere spüren sofort, wenn sich etwas bewegt, sie stehen still, schauen nur, regungslos. Faszinierend! Selbst Gandhi, der kleine Sausack, der sonst alles jagt, was nicht bei 1 auf den Baum kommt, war ruhig, erstarrt in Terrier-Erfurcht. Mindestens genauso faszinierend.