Montag, 15. April 2019


Moin!

Nerve ich euch? Ich hoffe nicht. Am Küchentisch habe ich aber darüber nachgedacht, ab wann man seine Leser*innen nervt. Ab wann ist das Geschriebene Verbaldurchfall und nicht mehr interessant für andere? Keine Ahnung, ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß, dass ich mir vorgenommen habe, jeden Morgen zu schreiben. Als Antidepressivum. Der Laptop, die Tastatur, der Blog ... meine Strukturgeber gegen sinnloses bis-Mittag-im-Bett-Bleiben, mein Halt gegen the dark side of my brain.

Die Sonne scheint schon wieder. Auf dem Küchentisch strahlen mich blühende Zweige von irgendwas von draußen an, die auch noch schön duften. Nein, keine Angst, ich habe keine unter Naturschutz stehenden Äste abgebrochen. Die stehen im Wohnzimmer. Des Nachts treiben mich oft tausende verquerer und scheinbar nicht zueinander passender Gedanken durch die Zeit. Dementsprechend zermürbt wache ich dann morgens auf. Meistens sind ein paar Fragmente der Träume, die "gerade" vorbei sind, noch in meinem Kopf. Der Rest spukt wie Konfetti, das man in die Luft geworfen hat, durch mein Hirn. Das nervt! Da taucht die alte Freundin Beate auf, die ich noch nie leiden konnte, aber im Traum umarme, als wäre sie meine beste Freundin. Ich schmiege mich an einen Mann an, der wie H. aussieht, aber wir sind getrennt. Ich lebe in Berlin, an der Ostsee, in New York, in einem kleinen Fischerdorf. Habe verschiedene Jobs, von allein lebender Schriftstellerin über Verwaltungsangestellter bis zu berühmter Schauspielerin. Was ein Sprung!

Was geht da ab in mir? Ich meine, ich kenne ja im echten Leben meine Baustellen. Die Zustände, die mich nerven, mich bedrücken, um die meine Gedanken kreisen. Aber sollte meine Seele nicht nachts einfach mal sagen: "So, Ruhe jetzt, Tür zu, jetzt wird geschlafen, ich muss mich ausruhen"? Ich bin davon ausgegangen, dass sie die "Fachfrau" ist, die weiß, wie Erholung geht. Die voranschreitet, wenn es um nächtliche Entspannung und um Auftanken geht. Aber kaum sinkst du in die Kissen, wacht sie auf und spielt verrückt. Hüpft wie ein unerzogenes Kleinkind über die Kissen und zerwühlt einfach mal alles, was du gerade so mühevoll glattgezogen hast. Na ja, immerhin ist die Kleine nicht mit einem Panzer über mich drübergefahren und hat traumatische Salven abgefeuert, die mich morgens mal so gar nicht in den Tag kommen lassen, weil ich im Bleimantel dort liege.
 
Also dann ... ein frischer Kaffee aufgesetzt, Ab unter die Dusche, die trällernden kleinen gefiederten Mistviecher vor meinem Fenster verscheuchen ... "tschilp, tschilp, tschilp ... tschilp, tschilp, tschilp ... tschilp, tschilp, tschilp ... " und ab in den Tag.