Freitag, 19. April 2019
Rainer Maria Rilke schrieb einst:
"Man muß nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muß, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, ... " (Zitat aus dem Gedicht "Verlust")
Heute morgen spazierte ich mit Gandhi durch den Südpark. Karo kam mir mit ihrem Hund entgegen und bog ernsthaft genau in dem Moment ab. Mitten ins Nichts. Sie lief auf uns zu, sah mich und bog ab. Krass. Wie komisch kann man sein? Vor allem ein Mensch, der immer darauf bedacht ist, alles richtig zu machen und immer das Richtige zu sagen. Auf jeden Fall anderen zu sagen, was richtig ist. Ein Kontrollfreak, der plötzlich aus dem Rahmen fällt. Es kam mir vor wie eine Szene aus einem Chaplin-Film. Schwarz-Weiß, der Film ruckelt ein bisschen. Karo trippelt mit erhobenem Haupt durch den Park. Hält wie immer Ausschau nach Menschen, denen sie erklären kann, wie die Welt funktioniert. Plötzlich sieht sie uns. Ihre Augen weiten sich. Angst. Hastig biegt sie nach rechts ab. Da ist kein Weg, aber sie biegt ab. Haltungsnote? Nichtmal eine 4.
Ich dachte immer, ich sei feige, die Dumme, die mit anderen nicht klarkommt, die stümperhaft in Beziehungen ist, immer auf der Flucht, immer kurz vorm Abhauen, die sich lächerlich macht. Kübelweise habe ich Schimpf und Schande über mir ausgekippt, weil ich mich mit meinem Verhalten bei Streitigkeiten nicht mochte. Dabei finde ich es immer gut, und seit heute auch belustigend, wenn sich Menschen, die sich für etwas besseres halten, selbst enttarnen. Jedenfalls blinkt heute in großen, leuchtenden Lettern über ihrem Haupt die Schrift: "Ich ... äh".
Unsere Freundschaft hat nicht mal ihren zweijährigen Geburtstag überstanden. Wir hatten zwei - in Worten zwei - Konflikte! Ja, buh, Streit. Herrgottnochmal. Unterschiedliche Meinungen? Andere Ansichten? Ich bin gar nicht so konfliktscheu. Ich halte mich oft zurück. Vor lauter gewaltfreier Kommunikation vergesse ich meistens, meine Gefühle zu zeigen. Sie rauszulassen. Von Karo wurde ich mehrmals mit giftigen Worten überzogen, die sie mir per Mail sendete. Ich feige? Auch den Schuh lasse ich jetzt mal bei ihr stehen. In diesen Pamphleten hat sie mich mit Mama oder Papa verwechselt und sich so richtig ausgekotzt. Nach dieser Szene heute im Park, denke ich, wäre ich doch nur von Anfang an bei mir geblieben. Hätte die Mails ignoriert, sie mal kommen lassen (ohne hinter ihr herzulaufen) und im richtigen Moment geschnauzt, ohne darüber nachzudenken, ob ich ihr damit wehtue. Diese billige Schwarz-Weiß-Kopie einer Freundin ist es ab heute nicht mehr wert, dass ich mich weiter mit ihr aufhalte. Ende. Abspann.