Donnerstag, 12. November 2020

Quarantäne - das etwas andere Tagebuch

Tag 1

Es nervt einfach nur. Draußen scheint die Sonne. Ich bin auf 65 qm, gefühlt 10 qm, begrenzt. Seit heute Morgen. Quarantäne bis nächste Woche Mittwoch einschließlich. Weil der Mensch hier in der Nähe trotz Symptomen einfach mal nicht reagiert hat, spricht die innere Richterin. Mein Gott, wer weiß, wie du reagiert hättest, sagt die Vernunftbegabte in mir. Hättest du beim ersten Hüsterchen den Arzt angerufen? Nein. Warum nicht? Ach, was weiß ich. Weil ich einen Chef habe, der dann Stress gemacht hätte. Weil, weil weil ...

Mich nervt, dass ich nicht auf MEIN Gefühl höre. Den Menschen in der Nähe habe ich schon, lange bevor er den Test gemacht hat, husten hören. Ich wollte ihn drauf ansprechen. Habe ich nicht. Unsicherheit. Aus Unsicherheit Gefahr laufen, sich mit Corona anzustecken, das ist so ich. Meilenweit von Selbstfürsorge entfernt. Immer ängstlich, unsicher. Das macht mich traurig. Ich bin von ihm genervt und von mir. Ende vom Salat: Er Corona, Testergebnis erst seit vorgestern, ich seit heute in Quarantäne, mein Test negativ. Viel, viel, viel emotionaler Stress. Unmengen an Desinfektionsmitteln und Fragen: Muss ich verhungern? Werde ich jetzt zum Krea-Monster? Räume ich sofort alles auf und bin mal so richtig in Äktschn? Oder vertrödel ich einfach die Zeit. Was ein Wort. Vertrödeln. Über allem schwebt die Kategorie. In der heutigen Zeit kannste nichts mehr machen oder lassen, ohne dass du es vorher kategorisiert hast, zur Absolution.

Welcom to the categorized world! You need to find an adjective, otherwise you will suffer and never find you.

Ich bleib' einfach auf meinem Chair sitten, bis der nächste Impuls kommt...

Kleines Bonmot am Ende. Wenn ich heute Nacht durchs Viertel schleiche, um nicht ganz durchzudrehen. Bitte verpfeift mich nicht. Die Dame vom Amt hat mir inoffizell dazu geraten. Aber nur inoffiziell.