Freitag, 13. November 2020

Quarantanamo - Tag 2

Es nervt immer noch. Wenn die einzige Herausforderung darin besteht, nachmittags um Vier stolz zu sein, dass man es vom Nachtpolter in die Jogginghose geschafft und geputzte Zähne hat. Wie schnell sich der Verfall der Sitten sich einstellt, ist schon enorm.

Es gibt gar nicht viel zu erzählen. Es ist nichts geputzt, nichts gestrickt, genäht, gekocht, gebacken, eingemacht, gemalt oder sonstwie kreativ erstellt worden. In der eigenen Wohnung umherzulaufen, in der die Grenze direkt hinter der eigenen Wohnungstür verläuft, nervt, macht nachdenklich.

Ich bin ein Lemming, dem man die Eigenverantwortung abgesprochen hat. Ich darf nicht in den Keller gehen, um Müll herunterzubringen. Ich darf nicht mit meinem Hund vor die Tür. Ich darf auch nicht zum Arzt oder Lebensmittel einkaufen. Ich darf mir keine eigenen Gedanken zu meiner Verantwortung gegenüber meinen Mitmenschen machen. Ich muss aufpassen, dass ich mich regelkonform verhalte, damit die öffentliche Hand nicht mit einer Ahndung im Sinne einer geldlichen Strafe nach mir lauert. That's it.

By the way. Mein Test war negativ. Ich bin in Quarantäne während mein hustender Mitbewohner in zwei Tagen wieder unter's Volk darf. Ich werde noch ein paar Tage länger hier festgehalten. Es reizt mich nicht zum Kreativsein, eher zum Nachdenken und viel Schlafen.