Donnerstag, 21. Januar 2021

 Ich gehe ...


... gegen meine Depressionen. Jeden Tag eine Stunde. Irgendwo lang und zurück. Ohne Ziel. Einfach raus.


Ich schreibe ...


... gegen meine Dämonen. Die da zahlreich auftreten und ständig mit Presslufthammergetöse alte, stinkende Sätze in meinen Kopf ritzen.


Heute war ich bei Ruth. Wir sind gelaufen. Also gegangen. Ich weiß nicht, wie lange, aber es war auf jeden Fall länger als eine Stunde. Also für heute Soll erfüllt. Wieder kalte Luft im Gesicht und an den Händen. Viel Sonne, viel Wind. Völlig durchgepustet nach Hause gefahren. Mein Kopf ist nicht leer, aber ich fühle mich müde und gut. Mit Ruth zu reden, tut immer gut. Sie kann gut zuhören. Mich einfach so lassen. Wenn ich schon nicht weiß, wer ich bin. Sie zerrt nicht noch zusätzlich mit gutgemeinten aber schlechtankommenden Sätzen an mir herum.

Sorgen, die mich umtreiben gibt es viele. Zu viele. Mein Job ist neu, aber so neu, dass ich verwirrt bin. Mein Job bringt kein Geld, ich bin nach wie vor vom Staat abhängig. Mein neuer Job macht Spaß, aber davon leben kann ich kaum. Existensängste wabern jeden Tag durch jede meiner Zellen. Und dann kommt heute noch ein Vorstellungsgespräch aus Berlin rein. Berlin! Meine Traumstadt. Und schon geht das Kino im Kopf wieder los. Die Sätze und Bilder laufen aus allen Richtungen kreuz und quer in meinem Schädel umher. Krass! Was dann in mir los ist. 

Ich wollte immer weg hier. Weg aus der Stadt, weg von den Menschen, für die ich immer dieselbe bin. Mit immer denselben Störungen. Immer dasselbe Opfer. Berlin fühlt sich an wie frei sein. Wie oft habe ich gedacht, ich muss weggehen, um mich zu finden. Ob's stimmt? Ich weiß es nicht. Heute Abend will ich nicht noch mehr denken. Der Tag war gut. Meine Wohnung ist warm, ich habe zu essen, ich habe eine Freundin, ich war nicht allein. Alles andere geht gerade nicht. Ich bin müde, und das tut gut.

Bis morgen!