Freitag, 28. März 2025

Gut betucht

 

Das mit dem Wechseljahrs-Busen ist so'n Ding. Erst kaufste dir BH's, die keine Bügel mehr haben, weil du dir die Dinger am liebsten vom Leib reißen möchtest. Dann ziehst du sie aber trotzdem ständig an, weil hängenlassen willste auch nicht. Sieht blöd aus, auch wenn ich mich immer öfter frage: "Wer hat diesen Scheiß eigentlich erfunden? Warum zwängen wir Frauen uns in sowas rein?" Die Abstandsregel zwischen Busen und Bauchnabel verhält sich ziemlich konträr zu meinem Wunschdenken. Aber immer gerade stehen, Schulter zurück und Brustmuskel anspannen und so tun, als wäre ich 20, ist mir auf Dauer zu anstrengend. 

Jetzt hatte ich mich damit abgefunden, dass sich so einiges am weiblichen Körper der Schwerkraft unterwirft. Augenlider? Rollos runter. Pralle Wangen? Streich' das Wort "prall" und ersetze es durch Nasolabial-Falte. Straffes, geformtes Kinn? Taufe es um in "Oma-Lene-Gedächtnis-Kinn. Straffer Busen? Macht sich auf den Weg zum Bauchnabel. Unten rum sieht's auch nicht besser aus, aber das ist ein anderes Thema. Hat Trigger-Potential, lasse ich hier mal weg. Vorerst.

Zurück zum BH und meinem Busen. Diese zwei hatten sich überlegt, wir machen mal das, was in jeder Studie über Wechseljahre steht: Wir werden größer! Und so sieht es unter einem eng anliegenden T-Shirt mittlerweile aus, als wüchsen mir extra Wülste, je zwei an den Seiten und in der Mitte. Also müssen schon wieder neue Halter her. Das schöne am Älterwerden ist, dass ich mich immer mehr mit Frauen meines Alters vernetze und deswegen im Dessous-Laden unseres Vertrauens stehe und eine Fachverkäuferin bitte, sich meiner Wechseljahrs-Busen-Problematik anzunehmen. ICH steige durch die hunderte Regale und Angebote nicht mehr durch. Ist mir auch zu anstrengend, ich bin eh' immer wütend und schnell genervt und transpiriere vor mich hin. Also muss Hilfe und Lösung her, und zwar schnell. 

Die Dame hört mir kurz zu, verspricht Lösungen und bugsiert mich in Richtung Umkleidekabine. Da stehe ich nun ... äh, da stehen wir nun. Sie ist gleich mit reingehüpft, um sich das Dilemma hautnah anzuschauen und Hand an die Haut zu legen, sprich auszumessen. Keine 2 Minuten später bin ich stolze Besitzerin von 3 Körbchengrößen mehr! Fachsimpelnd verlässt die helfende Hand die Kabine, um wiederum keine 2 Minuten später mit 6 neuen Haltern zurückzukehren. Es wird gezogen, zurechtgeschnürt, enger gestellt, weiter gestellt, geschaut, Hand angelegt, neu zurechtgeschoben. Ich bin mehr als skeptisch, will schon aufgeben. Aber wie von Zauberhand sitzt plötzlich der erste BH wie angegossen, der zweite und dritte auch. Ich kann mich bewegen, atmen, und sie sehen auch noch sehr gut aus. Keine Dessous aber auch keine Omma-beigen, zweckmäßigen Dinger, die man eher traurig trägt, weil "besser wirds nicht". 

Der Wert dieser neuen Unterwäsche lässt mir ein bisschen den Atem stocken. Mein Gehirn schaltet sich ein und konstatiert: "Das bist du dir wert". Und tatsächlich bin ich einverstanden. Ich kaufe drei neue BHs, die mich ein Vermögen kosten. Ich bin es mir wert. Ich bin es wert, meinem Busen das Beste angedeihen zu lassen, was ich mir vorstelle. Ich bin es mir wert, mich wohlzufühlen und zwischen "mir doch egal, wie hängenlassen aussieht" und "so kannst du nicht rumlaufen" zu entscheiden, wo mein Mittelweg verläuft. Und wenn ich den gehe und mich dabei so wohlfühle, dass ich den einen direkt anlasse, habe ich alles richtig gemacht.

Die Büste fühlt sich wohl. Gut betucht und wohl gehalten in feinem Stöffchen. So geht Wechseljahre!