Bergfest!
7 Zigaretten und zwei Mails später
Guten Morgen Gott,
was hälst Du eigentlich von meinen "Rückfällen"? Ich habe so eine Ahnung, dass Du sie zutiefst menschlich findest. Ich kann förmlich hören, wie Du zu mir sprichst: "Sei nicht so streng mit dir. Aber denk' vielleicht auch noch einmal darüber nach, ob du es nicht noch besser machen kannst. Vertraue mir. Ich bin bei dir. Ich gehe mit dir durch deine Qual, wenn der Schmerz zu groß ist, ich bin da. Wenn die Trauer und die Verzweiflung dir die Sicht auf den Tag nehmen kannst du dir gewiss sein, dass ich an deiner Seite bin und mitfühle. Wer, glaubst du, sollte mitfühlen, wenn nicht ich. Vertraue mir. Es ist schwer, es ist hart für dich, aber alles wird gut. Du wirst dir näher kommen. Du wirst deinen Stolz zurückbekommen. Du wirst lernen, bei dir zu bleiben. Du bist gut so, wie du bist. Vertraue mir".
So, und jetzt gibt es hier noch mein ganz persönliches, knackiges Statement zu meinen Rückschlägen. Und wenn irgendein Mensch da draußen das hier liest und sich so seine Gedanken macht, wie: "Wie kann sie nur ... sie soll doch mal ... das gibt's doch nicht ... meine Güte ...", wisst ihr was? Ihr seid mir egal. Ich bin hier diejenige, die einen Deal mit Gott hat, nicht ihr. Ihr müsst erstmal in meinen Schuhen gehen, um zu wissen, was ich tun kann und was nicht. Ich stelle mich hier "nackt in den Wind". Das tue ich, nicht weil ich so unglaublich exibitionistisch bin, sondern um mir meinen Schmerz von der Seele zu schreiben. Um mich zu zeigen, um mich zu reinigen. Wem das missfällt? Kann ja was Anderes lesen.
Ich hatte Zeit meines Lebens tiefsitzende Ängste, Menschen zu verlieren. Ich war lieb, immer lieb, anbiedernd lieb, ich war lieb, auch wenn ich hätte böse sein sollen. Ich hatte Todesängste, Menschen zu verlieren, weil ich nie jemanden hatte. Ich bin ein Kriegsenkel. Wisst ihr, was das ist? Das ist die Tochter einer Frau und eines Mannes, die im Krieg kleine Kinder waren. Deren Eltern konnten ihnen keine Liebe geben. Sie konnte keine Gefühle zeigen. Mit Gefühlen hätten sie den todbringenden Wahnsinn nicht überlebt. Meine Eltern waren klein. 4 und 5 Jahre alt, als die Bomben über ihnen einschlugen, Menschen tot in den Straßen lagen und es nichts zu essen gab. Sie wurden dazu erzogen, nichts zu fühlen. Sie wären kaputt gegangen, wenn sie die Erlebnisse zu nah an sich herangelassen hätten. Sie mussten auch auf Menschen verzichten. Auf ihre Eltern, die funktionierten, um zu überleben. Sie durften nicht vertrauen, hatten still zu sein. Dieses Schweigen, dieses Aushalten, diese Gefühllosigkeit, das Funktionieren, das haben sie mir mitgegeben.
Meine große Angst ist, Konflikte durchzustehen. Sichtbar zu sein. Für das einzustehen, was ich fühle und denke. Ich habe das Trauma meiner Eltern und Großeltern übernommen. Und seit vielen Jahren arbeite ich daran. Also wenn hier irgendjemand meint, im Kommentar schreiben zu müssen, dass er wisse, wie es besser geht. Oder meint, mir Ansagen erteilen zu müssen, dem oder derjenigen kann ich nur sagen: "VERPISS DICH!"
Für mich ist Schreiben und mit Gott reden Heilung. Und ich liebe meine Eltern.
"Ich danke Gott, dass ich an Schwierigkeiten gewöhnt bin."
(Oliver Cromwell, 1599 - 1658, englischer Politiker, Berater Heinrich VIII, war maßgeblich an der Verurteilung und Hinrichtung von Anne Boleyn, Heinrich's zweiter Frau, beteiligt)
P. S.: Schweine sind übrigens in ihrem Kälteempfinden genauso individuell wie wir Menschen. Sie fangen sehr wohl an zu frieren, wenn ihnen kalt wird (alles unter 10° C). Und sie schwitzen recht schnell (ab ca. 21° C). Sie lieben Sonnencreme, denn ihre Haut bekommt sehr schnell einen Sonnenbrand. Oink! Oink!
Der Begriff "schweinekalt" kommt aus der Zeit ohne Kühlschränke. Man schlachtete damals Schweine im Winter, um die Kühlung des Fleisches zu gewährleisten.
Der Begriff "schweinekalt" kommt aus der Zeit ohne Kühlschränke. Man schlachtete damals Schweine im Winter, um die Kühlung des Fleisches zu gewährleisten.