Freitag, 25. März 2016

Fastenzeit


43. Tag


Liebe Gott,

ich komme mir so unglaublich dumm vor. Es ist noch nicht vorbei. Es ist einfach noch nicht vorbei. Ich verstehe dich nicht. Ich verstehe deinen Sohn, Jesus Christus nicht. Wann gibt es den Impuls für mich, dass ich mich in eine andere Richtung entwickle? Wie lange soll das Leid andauern, bzw. wieviel Leid brauche ich deiner Meinung nach noch? Ich habe dich jetzt so oft um einen Impuls gebeten, er kommt nicht. Manchmal habe ich Fragmente einer Lösung vor den Augen oder ich träume davon. Aber im realen Leben bin ich Birgitta, die Menschen, die ihr wehtun, mehr liebt, als sich selbst. Das kann nicht in deinem Sinn sein, dass man mit so einer Störung herumlaufen muss.

Und Jesus. Wie konnte er am Kreuz hängen und den Menschen verzeihen, die ihn verraten und verlassen haben und diese lieben? Gibt es auf dieser Welt tatsächlich einen einzigen Menschen, der das glaubt? Gibt es wirklich jemanden, der das versteht? Ich tue es nicht!

Was macht das für einen Sinn, dass man als Kind so viel Leid durchmacht? Was macht es für einen Sinn, dass man mit Bewältigungsstrategien durch sein Leben geht, die einem irgendwann nur noch das Genick brechen? Müsstest du nicht an aller erster Stelle für alle Kinder dieser Welt da sein, ihnen beistehen, ihnen helfen, sie nicht alleine lassen? Kinder sind auf Hilfe angewiesen. Du bist der Gott, der sich in Zurückhaltung übt. Und ich soll an dich glauben. Mache ich nicht. Heute nicht. Wahrscheinlich sowieso nicht. Heute ist Karfreitag, und es ist mir scheissegal. Ich habe bis zum Umfallen und jahrelang an mir gearbeitet. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Märchen, dass da Einer ist.

Meine Not als Kind war egal. Meine Not als erwachsene, liebende Frau ist egal. Mein Verzeihen ist egal. Meine Sehnsucht spielt keine Rolle. Mein Verstehen wird mit Füßen getreten. Meine Liebe wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Es wird mit dem Finger auf mich gezeigt. Die Täuschungen sind egal. Meine Verwundbarkeit, meine Sensibilität sind egal. Meine Kämpfernatur spielt keine Rolle. Meine Hoffnung starb. Meine Aufrichtigkeit ist egal. Mein Durchhaltevermögen ... egal. Ich werde alleine gelassen, beleidigt, beschimpft, schuldig gesprochen. Super Ding! Wieso habe ich in meinem Leben immer das Gefühl, dass die Gefühllosen ein super entspanntes Leben haben und die Gefühlvollen ständig einen auf die Fresse kriegen? Wenn du für den ganzen Scheiß hier doch angeblich so verantworlich bist, dann hast du was falsch gemacht.

Was willst du eigentlich von mir? Haben mir nicht alle Kirchenmänner (Betonung auf Männer) immer weisgemacht, Gott will, dass man liebt? Auftrag erfüllt. Bist du nicht die Liebe pur? Dann hast du ja wohl auch einen Auftrag. Mich zu lieben. Und mir das zu zeigen. Und zwar so, dass ich es verstehen kann. Denn ich bin ein Mensch und kein göttliches Wesen. Du musst schon übersetzen. Ich habe keine Lust mehr, an dich zu glauben. Ich bin heute voller Zorn und Rachegedanken. Ich wünsche mir, dass er so leidet wie ich. Ich wünsche mir eine ausgleichende Gerechtigkeit. Wie könnte ich ohne sie leben? Sie ist die einzige, die mich gerade bei Laune hält.


"Ein aufrichiges Donnerwetter ist besser als ein falsches Vaterunser." (Deutsches Sprichwort





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  (Bildquelle: kulturstudio.wordpress.com)