Samstag, 5. März 2016

Fastenzeit


24. Tag

4 Zigaretten und 0 Kontakt später (passt auch zum "ihm", nur dass "er" Nichtraucher ist)

Hallo Gott,

der letzte Kommentar meines/r Lesers/in hat mich dann ja doch beschäftigt. In mir geht die Frage auf, ob ich hier endlos rumleiere und vielleicht lieber aufhören sollte zu schreiben. Soll ich Dir sagen, zu welcher Erkenntnis ich gekommen bin? Ach so, ja, habe ich ja ganz vergessen. Du weißt es ja eh' schon.

Welcom to my "I don't come out of my Haut day, do you?" (and if you ... please give a recipe)

Diese nicht-aus-der-eigenen-Haut-raus-kommen-Tage sehen bei mir im Moment so aus. Augen auf. Sonne, Regen, bewölkt? Erstmal checken, wo ich gerade bin und was um mich herum los ist. Da ich alleine lebe, ist das Einzige, was ich wirklich checken kann, das Wetter. Und ob Srooge, mein Hamster, noch lebt. Noch bevor meine Gehirnströme auf volle Touren gekommen sind (die Nachtgedanken hängen da noch wirr durcheinander herum) laufen mir Tränen über das Gesicht. Schon wieder ein Tag. Ich muss schon wieder aushalten, dass er in meinem Alltag nicht mehr vorkommt. Kein Frühstück bei ihm oder bei mir. Kein Freuen mehr auf dumme, schnöde, gemeinsame Wochenend-Einkäufe. Kein Marktbummel mit anschließendem Kaffeetrinken. Kein Kuchen am Nachmittag. Keine Spaziergänge. Kein Händchenhalten. Kein gemeinsames Abhängen vor der Glotze. Kein Kuscheln, kein Sex. 

Stattdessen fühle ich mich, als würden Bleigewichte an meinen Armen und Beinen hängen. In meinem Kopf rumort ständig der Satz: "Das kann ich heute nicht, das mache ich morgen". Mir ist alles zu viel. Ich lebe in meiner Matrix und hoffe, dass ich gleich in mein eigentliches Leben rüberspringen kann, in dem alles wieder gut ist. Schock! Ich habe keine Lust auf nichts mehr. Und jetzt kommst Du und willst mir Etwas beibringen. Was denn? Was denn? Was denn? Was denn? Was denn? Was denn?

Müsste das nicht eigentlich anders laufen? Menschen, wie ich, die schon einmal durch die Hölle gelaufen sind, als sie noch ganz klein waren, kriegen ein fettes Geschenk von Dir. Und zwar, dass sie nie wieder so einen Shit erleben müssen. Sie erleben in ihrer Jugend, in der Mittelzeit und im Alter einfach nur noch schöne Dinge. Sie haben den Job, der ihnen Spaß macht, zweifeln einfach mal nicht mehr an sich selbst und werden von liebevollen, erwachsenen, ungefährlichen Menschen zurückgeliebt. Einfach mal so. Sie sind freundlich und fröhlich und stehen dem Leben offen und positiv gegenüber. Entspannung ist ihnen ebenso vertraut wie Zufriedenheit und Nächstenliebe. 

So, jetzt kommst Du ins Spiel. Noch bevor dieses Schlaraffenland-Szenario aufgebaut ist, rufst Du: "Nee, nee ... so geht das nicht. Ich muss hier noch mal was wegnehmen. Ein bisschen Anstrengung und Ansporn müssen ja wohl sein". Und plopp! geliebter Job weg. Plopp! liebende Menschen in Hülle und Fülle weg. Plopp! Zufriedenheit und Entspannung weg. Fröhlichkeit und Freundlichkeit? Das muss leider auch runter vom Spielfeld. Was übrig bleibt sind Hürden. Es gibt auch gar kein Spielfeld mehr. Das ist eine Rennbahn, mit Hürden ohne Ende. Dass wir Hürdenläufer sind hast Du uns nicht erzählt und auch keine Technik beigebracht. "So, nu' mal hopp, hopp, hopp hier, jetzt aber mal los!", Dein Ruf vom Rennbahnrand. Manch einer von uns bleibt auf der Strecke. Du bist als Trainer/in für die, die weiterhecheln, eine Niete. Das kann ich Dir sagen. Wir hecheln weiter, weil wir an Dich glauben. Also wo ist unsere Belohnung?

Heute habe ich explizit einen Spruch für Dich, Gott:

"Spiritualität ist für Menschen, die aus der Hölle kommen, Religion für Menschen, die sich vor der Hölle fürchten"

(Autor unbekannt)


P. S.: Menschen, die Kinder auf die Welt bringen, haben ein ganz spezielles Vertrauen in diese Welt. Deine Aufgabe und Pflicht wäre es, denen ganz besonders zu helfen. Ihnen möglich zu machen, deine Stimme zu hören. Denn Eltern übernehmen für andere Menschen gleich mit die Verantwortung! In meinen Augen kümmerst Du Dich ganz schön wenig, damit das Ding "hier unten" gut läuft. Setzen. 6. Brief an die Eltern (hast du Eltern?)