25. Tag
Zigaretten und Kontaktversuche? Kein Kommentar
Lieber Störenfried,
nein, nicht Du. Mein "kleiner Anhang", der nicht locker lassen will. Ich erwarte fundierte Tipps mit knallhartem Optimismus. Einen think positiv-Exkurs for beginners. Hier nur rumpupen und ich-weiß-alles-besser-ohne-konkrete-Lösung-Luft verpesten kannste machen, ist aber eher einseitig.
Jetzt Du, tach Göttin,
heute wird es eine kurze Ansage. So verachtet, so ausgestoßen und einsam habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt. Wenn der Funke "Liebe" erlischt, fängt man an, sich kalt zu fühlen. Ich höre und lese gar nichts mehr von "ihm". Ich kann seine Ablehnung, seine Wut, seinen Hass bis hierher spüren. So schlimm war es für mich nicht einmal als kleiner Mensch. Als ich noch ganz klein war muss ich auch unglaublich traurig, ängstlich und einsam gewesen sein. Ich habe meine Eltern geliebt und leider so wenig zurückbekommen. Aber es gab Momente. Momente des Glücks, der Freude und auch der Liebe. Es waren wenige. Wären diese Momente nicht gewesen, hätte ich es nicht "geschafft". Meine Eltern haben mich nie gehasst oder mich Hass spüren lassen. Ich kann mich daran erinnern, dass meine Mutter mir einmal meinen Lieblingspudding gekocht (Grießpudding mit Kirschen) und sich bei mir entschuldigt hat, weil sie mir Unrecht getan hatte. Mein Vater hat mir Kekse und Milch ans Bett gebracht, als ich krank war (ich hatte Magen-Darm, aber die Geste zählt). Als ich als Teenager nach einer OP im Krankenhaus lag, brachte er mir einen Stapel mit ungefähr 30 Jugendzeitschriften ins Krankenhaus: "Ich weiß ja nicht, welche du liest", grinste er. Als er vor einigen Jahren starb, sagte er mir, dass er mich liebt. Das wusste ich nicht.
Tragödie
Die Liebe
ging.
Der Ehepartner
blieb.
(Ernst Festl, geb. 1955, österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker)