Montag, 11. Juli 2016
Gradwanderung - es gibt noch Teil 3
Mahlzeit, Gott (ich liege nämlich um die Mittagszeit im Bett. Ja, aber nicht, weil ich so lazy bones habe, sondern weil ein Hexenschuss mich dazu verdonnert hat)
Mir ist gestern Abend noch etwas zur Gradwanderung eingefallen. Es gibt auf dem Weg in die Freiheit auf jeden Fall noch einen Abzweig, den ihr auf keinen Fall nehmen solltet. Dennoch lohnt es sich, einmal kurz auf diesen Weg zu schauen. Spähen wir einmal kurz um die Ecke, wenn diese Weggabelung in unser Sichtfeld tritt. Woher ich weiß, dass ihr diesen Weg nicht nehmen solltet? Na ja, für euch weiß ich das nicht, zugegebenermaßen. Ich kann euch nur davon erzählen. Eine Entscheidung müsst ihr selber treffen. Der oder die Eine oder Andere von euch wird auch dieses Szenario kennen und wissen, wovon ich schreibe.
Ich bin diesem Abzweig schon einmal gefolgt. Um in diesem Bild zu bleiben: Ich hielt auf meiner Wanderung an, bisher ging es mir eigentlich ganz okay. Ich hatte zwar schon viel Proviant im Gepäck, aber so richtig wollte mir das Leben noch kein ausgereiftes 5-Gänge-Menü anbieten. Je näher ich dieser Weggabelung kam, desto nebliger wurde es. Aber, wie ich es von mir gewohnt war, habe ich das ignoriert. Ich spähte um die Ecke an dieser Kreuzung. Mein Magen wurde flau, ich bekam so ein Kribbeln im Po (das kenne ich schon, da geht's um Angst, also die Angst, bei der Vorsicht geboten ist). Was mache ich? Genau. Ich ignoriere alle meine körperlichen Anzeichen (als ob der alte Kumpel keine Ahnung hätte) und latsche geradewegs ins Neverland.
Der Weg durchs Neverland ist lang. Sehr lang. Stürmisch ist es dort, kalter Wind, uselig - wie wir sagen - Nieselregen, unaufhörlicher Nieselregen. Du wirst weinen auf dem Weg, unaufhörlich weinen. Meist weißt du nicht warum. Das Einzige, was du ahnst, ist, dass du weitergehen wirst. Die Signale deines Körpers hast du schon ignoriert. Jetzt kannst du nur noch hoffen, dass du tief in dir auf dich vertrauen kannst und das Richtige tun wirst. (Das wirst du, aber du weißt es noch nicht)
Auf diesem Weg lungern am Wegesrand die ARSCHLÖCHER. Die Menschen, die dir ein X für ein U verkaufen (und du nimmst es, obwohl du dich im Alphabet auskennst). Sie verkaufen dir Hoffnung, versprechen dir Liebe. Wenn auf sie triffst, ist es um deinem Selbstwert schlecht bestellt. Arschlöcher dealen mit dir. Und du gehst den Deal ein. "Gibst du mir meinen Wert, gebe ich dir deinen ... versprochen", schleimen sie dir leise ins Ohr. Und da du meinst, du hättest keinen eigenen Wert, fällst du darauf rein. Zu verlockend klingt dieses Versprechen. Du nimmst es an und hast dieses Arschloch für lange Zeit an der Backe. Was du eigentlich siehst, ist ein Haufen Mist. Aber du bist ja den Deal eingegangen, genau diesen Haufen mit Gold zu behängen. Du wirst also so lange versuchen, diesen Misthaufen zum Glänzen zu bringen bis du spürst, dass es nicht geht. Du wirst so viele Tränen vergießen, so verzweifelt sein und so oft flehen, der Misthaufen solle endlich glänzen. Aber er es tut es nicht. Er stinkt und dampft vor sich hin. Eine Ansammlung von dreckigem Müll.
Je weiter du gehst, desto mehr nimmt deine Verwirrung zu. Dein Kopf kann keine klaren Gedanken mehr formulieren. Arschlöcher sind wahrliche Meister im Versprechen-brechen. Hier und da ein kleines Bröckchen Nettigkeit hingeworfen. Aber davon wirst du nicht wirklich satt. Glanz spürst du davon auch nicht. Irgendwie funktioniert dieser Deal nicht. Du spürst es, du ahnst es. Deine Kraft lässt nach. Du kannst nicht mehr.
Jetzt komme ich zum positven Teil: Arschlöcher, deren Bettstatt und Nahrungsquelle der stinkende Müllhaufen sind, gehören nicht in dein Leben! Sie gehören nicht zu dir. Sie lagern am Wegesrand. Wollen dir weismachen, DU bräuchtest sie (dabei brauchen sie dich). Du seist ein guter Mensch, wenn du sie zum Leuchten bringst. Aber keine dieser Kreaturen kann dir deinen Selbstwert geben. Den hast du schon in dir. Er ist vieleicht ein wenig verblasst, angekratzt, mit Grünspan überzogen, voll mit Dellen und Beulen, verstaubt in einem Zimmer deines Herzens, das ein paar Gänge tiefer liegt. Aber er ist in dir. Und du weißt, wie der Weg dorthin geht. Und du hast die Schlüssel und das Werkzeug und die Poliertücher, um diesen vergessenen Wert in dir zum Glänzen zu bringen.
Hör auf, der Weihnachtsmann für andere zu sein. Glänze für dich. Freue dich über deine Strahlkraft. Überlasse die Arschlöcher sich selbst. Mitleid ist an dieser Stelle unangebracht. Ja, ich weiß. Kein Mensch kommt als Arschloch auf die Welt. Aber irgendwann hat sich jemand dazu entschieden, sich so zu verhalten. Und niemand kommt als Retter-für-die-Anderen auf die Welt. Aber auch er oder sie hat sich irgendwann dazu entschieden. Und warum? Weil wir die alten Glaubenssätze noch immer glauben. Also glauben wir eher den Arschlöchern, als uns selbst. Aber tief in unserem Inneren schlummert die Ruhe, der Frieden, die Liebe, der Glanz. Und dieser Schatz ist nur für uns. Den haben wir seit unserer Geburt in uns.
So, nochmal zu dem Weg. Wenn du erschöpft anhältst, weil du merkst, dass der Deal für dich auf keinen Fall funktioniert (das Arschloch glänzt in der Zeit schon ganz schön hell). Also, wenn du spürst, dass du von Deinem zu viel abgegeben hast und nichts zurückbekommst. Denn Arschlöcher sind Lügner (hatte ich das noch nicht erwähnt). Na ja, sie müssen lügen. Wer glaubt denn ernsthaft, dass so ein Deal funktioniert. Wenn du das spürst, dann halt an, setz' dich hin. Ja, und du darfst verwirrt sein, verzweifelt, mit Rotznase am Weg sitzen und heulen. Das machen Kinder auch ganz oft. Habt ihr mal gesehen, wie kläglich kleine Menschenwesen manchmal ausschauen, wenn sie so richtig verzweifelt sind? Rote Nase, Rotze läuft zum Mund, verheulte Augen, zerzaustes Haar, dicke Tränen in den Augen. Was würden wir tun, wenn wir so einem kleinen Menschen in dieser Verfassung begegnen? Genau. Ihn auf den Arm nehmen. Nase putzen, trösten, ablenken. Fest an sich drücken, hin und her wiegen. Tränen trocknen. Zur Aufmunterung etwas Süßes, vielleicht ein Eis, ein richtig dickes Eis, mit Sahne und Smarties.
Das kannst du auch. Also, halt an, setz' dich hin. Ruh' dich aus. Atme tief durch, nimm' einen Schluck Wasser. Und dann, wenn du wieder zu Kräften gekommen bist, geh' den Weg zurück. Bis zur Kreuzung, wo du auf deinen ursprünglichen Weg kommst. Von weitem siehst du schon, wer dort auf dich wartet. Du kannst es kaum glauben. Aber sie warten auf dich. Sie werden weiter mit dir gehen. Sie werden dir deinen Glanz nicht stehlen. Denn sie brauchen ihn nicht. Sie wissen, dass du deinen Glanz für dich brauchst. Diese wertvollen, lieben Menschen, die da stehen und sich freuen. Auf den Moment, in dem sie sehen, dass du um die Ecke biegst ...
Die Moral von der Geschichte? Arschlöcher gehören nicht in dein Leben! Punkt.