Freitag, 12. April 2019


Zwischen zwei Jobs

... und mittendrin von allem und in zwei Tagen so viel erlebt, wie manche Menschen in einem ganzen Jahr nicht. 09:00 Uhr, ich sitze tatsächlich vor dem Rechner, bin wach, habe einen Kaffee neben mir und mein Frühstück schon genossen. In meinem Leben ist meistens so viel los, wie bei anderen Menschen nicht in einem oder mehreren Jahren. Zurzeit stelle ich mir die Frage, wie kann ich meine innere Ruhe herstellen und verteidigen?

Dieser Morgen ist ein ich-weiß-nicht-Morgen. Ich weiß nicht, weil ich mit neutralen Gefühlen ... Hä? Gibt's die überhaupt? ...  aufgestanden bin. Okay, dann eben neutraler Zustand. Keine Euphorie aber auch keine hoffnungslosen Gedanken, nicht dieses Gefühl des mutterseelen Alleinseins. Ich muss echt mal den Begriff der Mutter für mich neu definieren und besetzen. Immer, wenn ich an Mutter oder Mama denke, also an meine Mama, dann fühle ich dieses Verlassenwerden, das endlose Alleinsein, die nimmer enden wollende Trauer, diesen im Nichts verhallenden Ruf: "Wo bist du?". Vielleicht kann ich das neu programmieren, in dem ich mir sage, ich bin doch jetzt hier. Das innere Kind ist auch hier. Ich muss sie von dort (also damals, dem Früher, der Vergangenheit) holen, sie abholen und ins Heute bringen. In meinen Gedanken war es immer so, wenn ich die Vergangenheit hinter mir lasse, ich auch mein inneres Mädchen hinter mir lasse, es vergesse. Das wollte ich nie. Und so dachte ich, wenn ich die Vergangenheit aufgebe (wie so viele Menschen mir raten, als ob das mal eben so gehen würde), gäbe ich auch mein inneres Kind auf.

Bis eine Freundin mich auf diesen Gedanken brachte. Wenn ich im Heute bin, ist doch das innere Kind auch im Heute. Ich kann es aus der Vergangenheit abholen und im Hier und Jetzt neben mir leben lassen und mich kümmern. Wie gehe ich denn jetzt damit um, dass H's Nummer bei mir im Display war. Wow, okay, ich prüfe mich genau. Wenn das innere Kind Sehnsucht nach ihm hat, ist das etwas falsch. Dann geht es um etwas anderes. Um Zuwendung, Gesehenwerden, Trost, Zuversicht, Geliebtwollensein. Die Erwachsene muss die Kleine sehen, anhören, mit ihr reden, sie beschützen, nicht sie ausliefern. Zurückrufen, den ganzen Scheiß wieder von vorne anfangen, das wäre Ausfliefern, alles auf Null setzen. Die Erwachsene will diesen Mann jetzt im Moment hier und heute nicht an ihrer Seite haben. Nee, nein, auf gar keinen Fall. In mir sträubt sich alles gegen diesen Gedanken.

Wogegen oder wofür schreibe ich hier eigentlich. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, ob ich mich zu sehr öffne. Ich war doch schon mein Leben lang offen, oft zu sehr. Und als Kind war ich verschlossen, durfte mich nicht zeigen. Das war lebensgefährlich, zumindest aus meiner Sicht als kleines Wesen. Ich schreibe gegen das Gefühl, dass ich alleine bin, gegen meine tiefe Hoffnungslosigkeit, gegen Gedanken, dass ich besser gehen sollte, gegen Gedanken, "es nicht zu schaffen", gegen Antriebslosigkeit, Angst und Unsicherheit, gegen Instabilität und nicht wissen, wer ich bin. Gegen innere Verwahrlosung und Vernächlässigung, gegen Traumata, Dämonen, innere Killer und gegen das letzte kalte, dunkle Nichts.

Okay, gleich muss ich meinen zukünftigen Chef anrufen und ihm sagen, dass mir das Probearbeiten gestern gut gefallen hat. Ich saß gestern in der Beratung einer Fahrschule, habe viele junge Leute kennengelernt, sehr nette Kollegin oder neue Kollegin, nette Fahrlehrer getroffen, hatte einen entspannten und interessanten Tag dort. Ich denke, das wird mein neuer Job. Nach so vielen Jahren endlich wieder arbeiten. Freude und puh, Schiss ... ;-)

Ach ja, was ich vergessen habe. Gestern schrieb ich mir Sätze auf. Sätze, die mir jemand sagte, und die mir sehr wehgetan haben. Und auch, wenn ich wusste, dass diese Person das nicht persönlich gemeint hat (ich mache Fortschritte, yess!), taten sie sehr weh und ich lehnt sie ab. Diesen Zettel habe ich gestern im Kreise lieber Frauen verbrannt. Und aufmal war mir klar, wie ich meine innere Ruhe schnell erreichen kann. Ich kann innerlich Dinge und Sätze, die mir nicht gefallen, die ich nicht bei mir haben möchte, verbrennen. Das gibt ganz schnelle Befreiung. Mein innerer Kern soll "klar" bleiben. Da gehört kein Satz, kein Gedanke anderer Menschen rein. Ich lasse meinen inneren Kern nicht mehr von anderen zerfleddern. Oft geht es mir so, dass das, was andere sagen immer mit mir zu tun hat. Ich hole es zu mir, mache es zu meinem, prüfe, was ich damit zu schaffen habe, am Ende bin das ich. Die Verurteilung bin dann ganz ich. Und das lehne ich ab. Ich bin in meinem Kern sowieso ich. Und da kommt keiner rein. Ich bin da heile und gut so, wie ich bin. Und deins ist dein. Auch, wenn wir streiten, auch wenn ich ganz sauer und durcheinander bin und Angst habe, dich zu verlieren, in meinem Kern BIN ich, und ich bin gut und richtig. Und deins bleibt bei dir. Ich höre es, ich sehe es, aber ich nehme es nicht zu mir. Das war das Wort zum Wochenende.