Sonntag, 18. August 2019

Hey Jude, you make me sad

Was haben Judith Williams, die Zustände im Iran und Tchibo gemeinsam?
Sie haben alle mit meiner Wut zu tun. Ich bin wütend und trainiere mich darin, dieses Gefühl nicht als böse wegzuschicken. Nein, meine Wut ist eine aus Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten, herangezogene weise Seele, die sich Gehör verschafft. Sie muss auf den Plan treten, damit sich auf diesem Planeten etwas ändert. Energien müssen sich ändern. Frauen müssen voller Stolz und erhobenen Hauptes teilnehmen und eingreifen, die Geschicke mit in die Hand nehmen. Wir müssen Schluss machen mit idiotischem Getue, männlichem Penisneid-Zipfelspielchen, dämlichem Gelaber über Schubladen der Schönheit, in die wir Frauen gepresst werden und Verarsche. Verarsche von Männer, die macht- und geldgeil sind. Ich klär's mal auf.

Judith Williams geht mir auf den Keks. Die selbsternannte Beauty-Queen, mittlerweile auch Moderatorin (dieser Begriff unterliegt zurzeit stark der Abwärtsdefinition) pisst mich an. Ich kann sie nicht mehr sehen. Überall taucht sie auf. Frau kann sich kaum noch "verstecken" vor ihr und ihren immerwährenden Botschaften von "sei schön, dann bist du Frau, dann bist du erfolgreich, dann bist du gewollt, dann bist du attraktiv, dann bist du". Abgesehen davon funktionieren ihre Produkte nicht mal. Sie spielt mit den Gefühlen und Hoffnungen von älter werdenden Frauen, die traurig sind, dass sie für die Gesellschaft unsichtbar werden. Judith gives a prayer: "Hey, nehmt meine Tiegel und ihr seid so schön und erfolgreich wie ich. Hey, und dann kommt auch wieder die Sonne und das Lachen und der Prinz. Hey, smile, I give you a hug". Ich frage mich immer, wenn sie so vor der Kamera steht, ob eine Kamera im Studio auch live retuschieren kann? Oder ist sie extrem gebotoxt. Hat sie sich die Haut unter dem Haar festtackern lassen, eine Maske aufgeklebt? Und ihre Zähne. Was ist mit denen los? Sie redet, als würden ihre gebleachten Dritten wackeln. Auf jeden Fall sieht es nicht nur schauderhaft aus, ihr Getue und Gehabe ist auch schauderhaft. Es ist jedes Mal ein Schlag in den Stolz von Frauen. Frauen, denen sie vormacht, dass sie nur gelten, in dem sie schön sind und sich auf Deubel-komm-heraus diese sogenannte Schönheit erhalten müssen. Wobei Judith die Schönheit reduziert auf Äußerlichkeiten. Also die ewig gleiche Leier. Frauen, deren Schönheit von innen kommt, sind laaaaaaangweilig. Allein die Unterscheidung der inneren und äußeren Schönheit tut dem Menschenbild, ah sorry Frauenbild, keinen Gefallen. Ich finde, man sollte Frauen zurufen: "Hey, lebt, liebt, lacht, fickt, seid dünn, dick, kurzbeinig, langbeinig, faltig, speckig, ach scheiß egal. Seid einfach und lasst euch nicht irreleiten. Jede von euch ist perfekt."

Nächste Wutattacke. Iran. Habt ihr euch mal mit dem Iran beschäftigt? Was ist da los seit Jahrhunderten, Jahrzehnten, Jahren? Männer, es sind immer Männer. Männer, die regieren. Männer, die das Land kaputtregieren. Männer, die über Frauen bestimmen, die in Gewändern gehüllt mit Kopftuch eingepackt denken, es sei zu ihrem Schutz. Ich geh' kotzen. Männer, die sogenannte Religonen aufbauen. Männer reden in Kameras, während Frauen danebenstehen und den Schleier noch enger um ihr Gesicht ziehen. Während der Mann Bullshit textet. Von Krieg und Ehre und Helden. Von Kämpfen mit Israel und dem Libanon. Vom Wahnsinn, mit dem Männer ihre minderjährigen Söhne an den Tod liefern und auch noch stolz darauf sind. Von Imamen, die in Moscheen durch ihre Predigten Gift unter die Menschen spritzen. Ah, sorry, die Gift und Hass unter die Männer bringen, die dort niederknien und "beten". Warum tun sie das?  Ist doch Scheinheiligkeit pur. Verbeugen nützt da auch nichts mehr. Außer zur Reinwaschung des eigenen schlechten Gewissens. Wieviele Jahre werden die Frauen dort noch warten, ehe sie auf die Barrikaden steigen und den Männern sagen. "Her mit der Macht. Es reicht uns jetzt. Wir haben euch und eure Söhne und Töchter geboren. Wir geben Leben. Wir geben Liebe. Ihr seid böse. Ihr seid schlecht. Ihr verliert euch im Kampf darum, wer der beste Mann ist. Wir wollten das Land, die Erde, die Natur schützen. Es reicht uns. Ihr seid nicht mehr zu ertragen!"

Jetzt zu Tchibo. Wer sitzt da eigentlich in der Werbeabteilung?

Es ist eine echte Vision. Nennen wir sie Freundschaft, nennen wir sie Aufrichtigkeit, nennen wir sie Respekt, nennen wir sie Vertrauen, nennen wir sie Liebe. Im Umgang mit unseren Kunden, den Verbrauchern und unseren Mitarbeitern.“

- Jürgen Scholz, 1981 Gründer Scholz & Friends, Werbeagentur für Tchibo

Was hat das mit Tchibo und meiner Wut zu tun? Ganz einfach. Auf dem neuesten Werbeplakat von Tchibo prangt ein riesen T-Shirt mit dem Slogan: "Kann ein T-Shirt Wasser sparen?" Ja. Es kann. Wenn ich es nicht kaufe! Ansonsten ... Nein! Die Herstellung eines Shirts verbraucht zwischen 2.700 und 15.000 Liter Wasser, je nach Verarbeitung und Färbung. One fucking Shirt!
Tchibo erzeugt Illusionen, regt zum Smartshoppen an, der ungebremste Konsum, den sie hier als ökologisch und nachhaltig vertuschen, frisst Recourcen in den Ursprungsländern, vor allem Wasser und Lebensenergie von Arbeiter*innen. Das macht mich wütend. Ich vermute, dass an der Spitze der Werbekampagne bei Tchibo ein Mann sitzt. Eine Frau - so hoffe ich - würde anders denken, weiter denken, schwesterlicher denken, schonender denken. Oder? Alice Weidel, Marie Le Pen, Imelda Marcos, es gibt auch Negativbeispiele für menschliche und ideologische Fehlkonstruktionen im Bereich Human Being. Vielleicht bin ich ja auch nur naiv. Auf jeden Fall habe ich die Nase voll von leeren Versprechungen, hohler Werbung, Massenkonsum, Geldgeilheit, Machterweiterung, Potenzgehabe. Ich habe die Schnauze so voll von Männern, die an den Schalthebeln sitzen und die Welt für dumm verkaufen. Mit dieser Dummheit werden sie den Planeten zugrunderichten. Es wird Zeit, dass wir Frauen unartig werden, den Gehorsam verweigern. So oft es geht, und wo es nur geht. Es wird Zeit für weibliche Energie auf dieser Mutter Erde. Lasst uns die dummdreist dreinblickenden und agierenden Jungs nach Hause schicken!  Und nehmt die Judith mit.